„An dieser Stelle muss ich klarstellen, dass wir von hochwertigen japanischen Schleifsteinen sprechen. Vergessen wir die günstigen, oft chinesischen Steine, die aufgrund ihrer Weichheit und Ineffizienz praktisch unbrauchbar sind."
Ich stoße häufig auf Kommentare, dass Schleifsteine weich seien und schnell verschleißen würden. Die einfache Antwort lautet: Genau so soll es funktionieren – sonst ist effektives Schärfen schlicht nicht möglich!
Grobe Steine gibt es in vielen Ausführungen. Es gibt sogar Steine mit sandiger, fast krümeliger Textur, die unglaublich effektiv sind, obwohl es etwas Übung braucht, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Das beste Beispiel dafür ist der Imanishi WZ400. Er ist ein großer, leistungsstarker und schwerer Stein, der trotz seiner Weichheit lange hält. Dieser Stein ist ein perfektes Beispiel dafür, wie ein grober und weicher Stein optimal funktioniert: Wenn man damit anfängt zu schärfen, hat man zunächst das Gefühl, dass nichts passiert. Doch sobald die Oberfläche sich öffnet, fühlt es sich an, als würden plötzlich die Bremsen greifen – und man spürt deutlich, wie Metall abgetragen wird.
Schauen wir uns nun Beispiele vom härteren Ende der groben Steine an – zum Beispiel den Shapton Kuromaku 120 und 220. Diese beiden sind gute Beispiele für effektive, grobe Steine, die gut mit allen Stahlsorten funktionieren und verhältnismäßig hart sind. Dennoch zeigen auch diese bei intensiver Spitzenarbeit an einem Messer tiefe Kratzer.
Als Grundregel gilt also: Ein grober Schleifstein ist immer zumindest etwas weich, und das ist völlig beabsichtigt. Die Weichheit bringt Effizienz mit sich. Wenn sich ein weicher Schleifstein seltsam anfühlt, lohnt es sich, den Atoma 140 Diamantstein in Betracht zu ziehen – damit hat man einen harten Stein zur Hand.
Das ist nicht nur eine Herausforderung bei groben Steinen – es ist die größte Herausforderung in der gesamten Schleifsteinwelt: Man muss wissen, welche Steine mit welchen Klingenstählen funktionieren. Das macht dieses Gebiet zu einem ständigen Lernfeld.
Ich bin einmal auf einen interessanten Kommentar gestoßen: Ein Kunde nahm an, es spiele keine Rolle, welchen Stein der Körnung 400 er verwendet – Körnung ist schließlich Körnung. Im Prinzip ist das nachvollziehbar, obwohl die tatsächlichen Körnungswerte je nach Hersteller erheblich von der angegebenen Körnung abweichen können.
Der große Unterschied zwischen den 400er Steinen verschiedener Hersteller liegt jedoch darin, wie gut sie in verschiedene Stähle einbeißen. Handelsübliche sogenannte europäische Messerstähle können mit fast jedem Stein geschärft werden, ebenso wie die meisten Kohlenstoffstähle. Wenn man sich jedoch den zähesten Stählen der Messerwelt nähert – etwa Pulverstählen – werden die Unterschiede zwischen den Steinen sehr deutlich. Als Beispiele für Pulverstähle seien Elmax und S35VN genannt, die häufig in hochwertigen Outdoor- und Taschenmessern zu finden sind.
Ein dünnklingiges Kochmesser aus beispielsweise SG2-Stahl lässt sich mit verschiedenen Steinen bearbeiten. Wenn man jedoch den Fasenwinkel eines Messers aus Elmax-Stahl ändern möchte, muss man erheblich mehr Arbeit investieren – und die Unterschiede zwischen den Steinen werden schnell offensichtlich.
Wer einen zuverlässig funktionierenden 400er Stein möchte, sollte den Naniwa Chocera Pro 400 ernsthaft in Betracht ziehen.
Ich beginne das Schärfen von vollständig stumpfen oder abgerundeten Klingen persönlich mit 180–220er Steinen. Ich greife auch dann auf sie zurück, wenn ein Messer sichtbare Kratzer, Ausbrüche oder fehlende Stücke aufweist. Ein 400er Stein ist ausreichend, wenn es um das Schärfen von gewöhnlich stumpfen Klingen geht. Wer die Anzahl der Steine zu Hause auf ein Minimum reduzieren möchte, würde ich als grobsten Stein lieber einen 180–220er nehmen, dann zu einem 800er wechseln und von dort aus zu einem Stein der Körnung 3000–4000 übergehen.
Ich selbst verwende auf der groben Seite eine größere Auswahl an verschiedenen Steinen als auf der feinen Seite. Ich versuche ständig, ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher Stein am besten mit welchem Stahl funktioniert.
Hier sind meine aktuellen Favoriten im Körnungsbereich 180–400.
1. Naniwa Chocera Pro 400 – die unangefochtene Nummer eins in ihrer Klasse, ein klinischer Performer. Zuverlässig konstant unabhängig vom Stahltyp. Nicht der schnellste, aber der vielseitigste.
2. SUEHIRO Debado LD-21 #180 – derzeit meine absolute erste Wahl im Körnungsbereich 180–220. Beißt gut an, erfordert aber etwas mehr Übung, um alles aus ihm herauszuholen. Ausreichend groß, dick und langlebig.
3. MinoSharp Green - Rough 240 – vielleicht der am wenigsten bekannte grobe Stein in meinem Sortiment. Unglaublich effektiv mit einem interessanten Feedback.
4. IMANISHI WZ 400 Marble – das markanteste Gefühl und Erlebnis bei groben Steinen, das ich je gemacht habe – und das meine ich im positivsten Sinne.